Viele Hundehalter meinen es gut. Sie wünschen ihrem Hund Freiheit. Freilauf. Sozialkontakte. Möglichst viele Erfahrungen.
Dabei gerät manchmal aus dem Blick, dass Freiheit immer in einem sozialen Kontext stattfindet. Nicht jeder Hund möchte Kontakt. Nicht jeder Mensch möchte Kontakt. Nicht jede Situation eignet sich für Kontakt. Ein Hund, der ungefragt auf andere Hunde zuläuft, genießt aus Sicht seines Menschen vielleicht Freiheit.
Für den anderen Hund bedeutet dieselbe Situation möglicherweise Stress. Freiheit bedeutet deshalb nicht, alles tun zu dürfen. Sondern die eigenen Möglichkeiten nutzen zu können, ohne dabei die Grenzen anderer zu missachten.
Genau hier wird der Satz „Der will nur spielen“ problematisch.
Denn die Absicht des eigenen Hundes verändert nichts an der Wirkung seines Verhaltens. Ob ein Hund spielen, begrüßen oder einfach nur Kontakt aufnehmen möchte, spielt für den Gegenüber zunächst keine Rolle.
Entscheidend ist, ob dieser Kontakt überhaupt erwünscht ist.
Ein Nein bleibt ein Nein. Bei Menschen. Bei Hunden. Und auch dann, wenn es höflich, leise oder nur durch Abstandssignale ausgedrückt wird.
Soziale Kompetenz zeigt sich nicht darin, mit jedem Kontakt aufnehmen zu wollen. Sondern darin, Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren. Das gilt für Hunde ebenso wie für ihre Menschen. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, das Verhalten unserer Hunde mit „Der will nur spielen“ zu entschuldigen. Und stattdessen beginnen, uns eine wichtigere Frage zu stellen: Hat mein Hund gerade gelernt, die Grenzen anderer zu respektieren? Oder habe ich ihm beigebracht, dass seine Wünsche wichtiger sind als das Nein seines Gegenübers?
Denn Rücksichtnahme beginnt nicht dort, wo Konflikte entstehen. Sondern dort, wo wir verhindern, dass sie überhaupt entstehen müssen.