Warum gute Führung nichts mit Dominanz zu tun hat
Kaum ein Begriff sorgt in der Hundewelt für so viele Missverständnisse wie Führung.
Für die einen bedeutet sie Kontrolle.
Für andere Unterdrückung.
Wieder andere lehnen den Begriff grundsätzlich ab, weil sie darin ein überholtes Verständnis vom Zusammenleben mit Hunden sehen.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem aber gar nicht im Begriff selbst.
Sondern darin, wie wir ihn verstehen.
Führung bedeutet nicht, ständig Anweisungen zu geben.
Nicht, sich durchzusetzen.
Nicht, jede Entscheidung des Hundes zu kontrollieren.
Führung bedeutet vor allem, Verantwortung zu übernehmen.
Ein Hund muss nicht jede Situation selbst bewerten.
Er muss nicht entscheiden, ob Kontakt sinnvoll ist, wer sich nähern darf oder wie mit Unsicherheit umzugehen ist.
Genau diese Verantwortung darf beim Menschen bleiben.
Nicht weil der Mensch “über” dem Hund steht.
Sondern weil er die größere Übersicht hat.
Er kennt die Regeln unserer Gesellschaft.
Er erkennt Zusammenhänge.
Er trägt die Verantwortung für das gemeinsame Leben.
Viele Hunde wirken heute deshalb unsicher, weil sie zwar viele Freiheiten bekommen, aber wenig Orientierung.
Sie dürfen vieles selbst entscheiden.
Müssen vieles selbst entscheiden.
Und genau das wird häufig mit Selbstständigkeit verwechselt.
Doch Selbstständigkeit entsteht nicht dadurch, dass jemand allein gelassen wird.
Sondern dadurch, dass er sich innerhalb eines verlässlichen Rahmens entwickeln kann.
Vielleicht besteht gute Führung deshalb gar nicht darin, den Hund möglichst gut zu kontrollieren.
Sondern darin, ihm die Verantwortung abzunehmen, die nie seine war.
Denn Führung beginnt nicht dort, wo der Mensch seine Stärke zeigt.
Sondern dort, wo der Hund spürt, dass er sich nicht um alles kümmern muss.