Viele Hundehalter wünschen sich einen selbstständigen Hund. Einen Hund, der frei entscheiden kann, der „mitdenkt“ und sich souverän in seiner Umwelt bewegt.
Das klingt zunächst erstrebenswert. Doch was passiert, wenn ein Hund beginnt, Verantwortung zu übernehmen, die eigentlich seinem Menschen gehört?
Hunde leben in einer Welt, die von Menschen gemacht wurde. Straßenverkehr, Begegnungen mit Fremden, andere Hunde, Cafés, Fußgängerzonen oder Besuch zu Hause – all diese Situationen erfordern Entscheidungen. Wird der Mensch dabei unklar, inkonsequent oder überlässt die Führung dauerhaft dem Hund, entsteht oft ein Vakuum. Und dieses Vakuum wird gefüllt.
Nicht selten beginnt der Hund dann selbst zu entscheiden, wer sich nähern darf, welche Hunde interessant oder bedrohlich sind, wann Kontakt aufgenommen wird oder wann Abstand geschaffen werden muss.
Was viele als Selbstbewusstsein oder Charakterstärke interpretieren, ist häufig die Folge einer Verantwortung, die der Hund nie übernehmen sollte.
Das Problem dabei: Hunde können Entscheidungen treffen, aber sie können die Konsequenzen in unserer menschlichen Gesellschaft nicht überblicken. Sie handeln aus ihrer Perspektive – nicht aus unserer.Verantwortung bedeutet deshalb nicht, dem Hund möglichst viele Entscheidungen zu überlassen.
Verantwortung bedeutet, ihm Orientierung zu geben, Grenzen zu setzen und ihn sicher durch Situationen zu führen.
Viele Verhaltensweisen, die später zum Problem werden, beginnen deshalb nicht mit dem Verhalten selbst.
Sie beginnen dort, wo Verantwortung Schritt für Schritt in Richtung Hund wandert. Oft unbemerkt. Oft mit den besten Absichten. Und häufig lange bevor die ersten sichtbaren Konflikte entstehen.